20 Jahre Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage: Workshoptage voller Begegnungen, Perspektiven und neuer Denkanstöße
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums unseres Engagements als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage fanden in diesem Schuljahr besondere Workshoptage für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I statt. Dank der Unterstützung zahlreicher externer Partner, engagierter Lehrkräfte sowie der finanziellen Förderung durch das Programm „Demokratie leben!“ konnten zwei abwechslungsreiche Tage gestaltet werden, die noch lange nachwirken werden.
In kleinen Schülergruppen beschäftigten sich die Jugendlichen intensiv mit gesellschaftlich relevanten Themen, die zwar fest in den Lehrplänen verankert sind, im Schulalltag jedoch oft zu wenig Zeit für eine vertiefte Auseinandersetzung bieten. Dabei wurde diskutiert, hinterfragt, ausprobiert, gelacht und manchmal auch die eigene Sichtweise gründlich auf den Prüfstand gestellt.
Gemeinsam mit dem Netzwerk für Demokratie und Courage, dem Humanistischen Jugendwerk Cottbus e.V., Nix e.V., dem Regenbogenkombinat, weiteren Partnerinnen und Partnern sowie unseren Lehrkräften entstanden Lernräume, die weit über den klassischen Unterricht hinausgingen.
Besonders eindrucksvoll war der Austausch im Workshop „Mosaik jüdisches Leben“. In einem persönlichen Interview berichteten jüdische Gäste aus ihrem Alltag und beantworteten offen die Fragen der Schülerinnen und Schüler. Dabei entwickelte sich ein respektvolles Gespräch, das viele neue Perspektiven eröffnete und Vorurteile abbauen half.
Dass man manchmal über sich selbst hinauswachsen kann, bewiesen vor allem viele Siebtklässlerinnen und Siebtklässler. In Diskussionen argumentierten sie sachlich, stellten kritische Fragen und vertraten ihre Standpunkte mit einer Sicherheit, die selbst die Erwachsenen beeindruckte.
Andere Gruppen begaben sich auf Spurensuche in der eigenen Region. Bei einem Besuch der Flüchtlingsbetreuung in der Stadt Forst erhielten die Jugendlichen direkte Einblicke in die Herausforderungen und Chancen von Integration.
Kreativ wurde es bei den Workshops zu Verschwörungserzählungen. Hier entstanden erfundene Theorien, die an Fantasie kaum zu übertreffen waren – und gerade deshalb eindrucksvoll zeigten, wie leicht Menschen durch scheinbar logische Erklärungen beeinflusst werden können. Aus den absurden Beispielen entwickelten sich spannende Gespräche darüber, wie man Fakten von Falschinformationen unterscheiden kann.
Auch Bewegung kam nicht zu kurz. Selbstverteidigungskurse stärkten das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden, während sportliche Angebote auf dem Schulhof Teamgeist und Fairness förderten.
Geschichte wurde im wahrsten Sinne des Wortes greifbar, als Schülerinnen und Schüler Stolpersteine in der Stadt besuchten, ihre Geschichten recherchierten und die Steine reinigten. Die Erinnerung an die Schicksale ehemaliger Mitbürgerinnen und Mitbürger wurde dadurch lebendig gehalten.
In anderen Workshops überraschten historische Erkenntnisse die Teilnehmenden: So erfuhren viele zum ersten Mal, dass die Farbe Rosa ursprünglich eher Jungen beziehungsweise Männern zugeschrieben wurde und sich unsere heutigen Vorstellungen von „typisch männlich“ und „typisch weiblich“ im Laufe der Zeit stark verändert haben.
Politische Bildung wurde praxisnah erlebt. Beim Planspiel Bürgerbudget schlüpften die Jugendlichen in die Rolle von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern. Sie diskutierten Projekte, verhandelten Interessen und entschieden über die Verteilung begrenzter finanzieller Mittel – eine Erfahrung, die deutlich machte, wie anspruchsvoll demokratische Entscheidungsprozesse sein können.
International wurde der Blick beim Vergleich von Demokratie und Monarchie in Norwegen sowie bei der Untersuchung von Vorurteilen gegenüber Polen und Deutschen. Dabei wurde deutlich, wie stark Bilder über andere Länder und Menschen von Erzählungen geprägt werden – und wie wichtig es ist, diese kritisch zu hinterfragen.
Medial kreativ zeigten sich die Schülerinnen und Schüler in der TikTok-Challenge gegen Rassismus. Mit kurzen Videos entwickelten sie eigene Botschaften gegen Ausgrenzung und für ein respektvolles Miteinander.
Am Ende der beiden Tage wurde deutlich, dass die Workshops weit mehr waren als nur eine Abwechslung vom Schulalltag. Sie boten Raum für Begegnungen, Perspektivwechsel und offene Gespräche. Vielleicht liegt gerade darin ihr größter Erfolg: Vorurteile wurden hinterfragt, festgefahrene Denkmuster aufgebrochen und neue Sichtweisen zugelassen.
Einige der entstandenen Ergebnisse werden am Tag der Zeugnisausgabe im Erdgeschoss unserer Schule ausgestellt. Somit können die Schülerinnen und Schüler einen Blick auf die vielfältigen Ergebnisse dieser besonderen Jubiläumstage werfen. (Galerie)
J. Michaelis